FiiO K17 und K17 R2R im Vergleich – AKM gegen R2R
Den K17 gibt es in zwei Varianten: als klassische Version mit AKM-DAC und als K17 R2R mit diskretem R2R-DAC-System. Da drängt sich ein Vergleich geradezu auf. Wir hören rein und vergleichen.
Let’s start: Grundsätzliches
FiiO baut seine Verstärkerserie der K-Reihe mittlerweile seit einigen Jahren aus. Der K17 bietet dabei mehr Möglichkeiten als die bisherigen Generationen – und sogar mehr Funktionen als das aktuelle Flaggschiff, der K19.
Bei FiiO gilt seit jeher ein Leitsatz: Man bekommt ordentlich Leistung für sein Geld. Das trifft auch auf den K17 zu. Neu sind vor allem die deutlich umfangreicheren Möglichkeiten zur Klangkorrektur direkt im Gerät. Das ist je nach Setup zu Hause ein nicht zu unterschätzender Vorteil.
Den K17 gibt es in zwei Varianten: als klassische Version mit AKM-DAC und als K17 R2R mit diskretem R2R-DAC-System. Da die Geräte ansonsten weitgehend identisch sind, drängt sich ein Vergleich geradezu auf: Was macht R2R eigentlich anders als klassische Chip-DACs?
Die Technik: AKM vs. R2R
Im K17 verbaut FiiO eine Kombination aus AKMs Spitzenmodellen: einem AK4191 und zwei AK4499EX. Viel mehr ist bei AKM in dieser Klasse kaum zu bekommen. Der K17 R2R setzt dagegen auf eine Eigenentwicklung von FiiO, einen diskreten R2R-DAC.
Genau das macht R2R-DACs untereinander so schwierig vergleichbar. Bei klassischen DAC-Chips lassen sich die technischen Daten und die jeweilige Architektur zumindest relativ einfach gegenüberstellen. Ein AK4499EX ist beispielsweise eine andere Generation als ein AK4497 (ob er deshalb in jeder Hinsicht besser klingt, ist allerdings eine andere Frage.
Eine weitere entscheidende Frage lautet: Hat der DAC einen Einfluss auf den täglichen Betrieb und die Möglichkeiten, die mir das Gerät bietet? Schränkt mich eine der beiden Varianten stärker ein? Die Antwort ist schnell gegeben: nicht wirklich.
Beide wandeln PCM über USB bis 768 kHz / 32 Bit. Bei DSD hat die AKM-Version gemäss den technischen Daten die Nase vorn: Sie unterstützt nativ bis DSD512, während beim R2R-Modell DSD256 angegeben wird. Ich bezweifle allerdings, dass das im Alltag von dir (und mir) tatsächlich eine Einschränkung darstellt. Es ist eher ein theoretisches Problem (ausser du hast eine Menge DSD512 Files).
Bei der übrigen Ausstattung sind die beiden Geräte weitgehend identisch. Beide K17 nutzen die gleichen Chips bei USB, Bluetooth, W-Lan usw, und beide K17 haben exakt dieselbe Class A/B Kopfhörerendstufe verbaut. Entsprechend sind die Leistungsdaten auch fast 1:1 vergleichbar. Technische Unterschiede gibt es einzig bei den Werten, die mit der Wandlung zu tun haben.
Zum Verstärker noch ein paar Worte: Mit bis zu 4 Watt pro Kanal am symmetrischen Kopfhörerausgang (32 Ohm, höchste Gain-Stufe) bietet der K17 sehr viel Leistung. Damit lassen sich auch anspruchsvolle Kopfhörer problemlos betreiben. Die Ausgangsimpedanz bleibt am symmetrischen Ausgang unter 1,5 Ohm, am unsymmetrischen Ausgang sogar unter 1 Ohm. Das ist auch bei niederohmigen Kopfhörern eine gute Voraussetzung für eine weitgehend unbeeinflusste Wiedergabe.
Einen Unterschied fand ich möglicherweise bei der Stromversorgung: Beide nutzen zwar ein 35-Watt-Linearnetzteil mit fünf grossen 4700-µF-Kondensatoren; beim R2R hebt FiiO zusätzlich die detaillierte, mehrstufige Versorgung der analogen Schaltung hervor. Ob das jetzt aber wirklich ein Unterschied ist oder einfach nur ein detaillierterer Beschrieb? Ich gehe davon aus, dass ist zu 99% identisch.
Damit kommen wir zum Schluss dieses Technikabschnitts: Die beiden Geräte sind in ihrer Grundstruktur fast identisch aufgebaut. Der augenfälligste Unterschied ist der DAC. Falls wir beim Hören Unterschiede feststellen, liegt es nahe, die DAC-Architektur als den grössten Einflussfaktor zu benennen.

Lieferumfang, Optik und Haptik
Der Lieferumfang der beiden K17 ist identisch und so üppig, wie er sein muss. Besonders erwähnenswert ist die Infrarot-Fernbedienung. Die ist bei solchen Geräten längst nicht selbstverständlich. Über die beiden USB-Kabel freuen wir uns ebenfalls. USB-A-auf-C-Kabel kann man schliesslich nie genug haben. Eigentlich sind sie aber keine besondere Erwähnung wert. Wobei … andere Hersteller legen gar kein USB-Kabel dazu. Vielleicht fällt es mir deshalb positiv auf.
Optisch lassen sich die beiden Geräte klar voneinander unterscheiden. Man muss dafür allerdings den Blick zur Seite wenden: Beim K17 R2R sind beide Seiten zusätzlich mit Holz verkleidet, passend zur Gehäusefarbe in Walnuss oder Ahorn. Bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass die beiden Panels einfach aufgesetzt sind. Entsprechend ist die R2R-Version etwas breiter und schwerer als der K17 mit AKM-DAC.
Haptisch überzeugen die K17 auf ganzer Linie. Richtige Wählschalter, die sauber in ihre Positionen einrasten, solide Drehregler und ein massives Gehäuse – hier gibt es nichts auszusetzen.
Ausstattung und Anschlüsse
Halten wir uns kurz: identisch. Beide haben exakt die gleichen Anschlüsse und Möglichkeiten. Und die sind zahlreich. Eine Aufstellung:
- Kopfhörerausgänge: 6,35 mm, 4,4 mm symmetrisch, 4-Pin-XLR symmetrisch
- Analoge Eingänge: Cinch (RCA), 4,4 mm symmetrisc
- Analoge Ausgänge: Cinch (RCA), 3-Pin-XLR symmetrisch
- Digitale Eingänge: USB-C, optisch, koaxial
- Digitale Ausgänge: optisch, koaxial
- USB-A: Anschluss für USB-Speicher
- USB-C: USB-DAC, RS232/DSP-Steuerung
- Netzwerk: Gigabit-LAN, WLAN
- Bluetooth: AAC, aptX, aptX LL, aptX HD, aptX Adaptive, LDAC
- Weitere Anschlüsse: 12-V-Trigger, Erdungsanschluss


Vermisst ihr etwas? Ich eigentlich nicht. Die Fülle an Anschlüssen zeigt auch, wofür die K17 gebaut sind. Mitnichten nur für den einfachen Betrieb von Kopfhörern. Man kann auch eine Anlage anschliessen – oder einen CD-Player, um den DAC des K17 zu nutzen. Die Möglichkeiten sind mannigfaltig.
Beide haben WLAN und Bluetooth und bieten entsprechend auch Streamingmöglichkeiten. Ob das nun der Weisheit letzter Schluss ist? Das Fragezeichen steht nicht ohne Grund da. Die Streaming-Funktion ist doch sehr einfach gehalten. Da noch ein paar Taler in einen richtigen Streamer zu investieren und diesen danebenzustellen, erscheint mir zumindest als überlegenswerte Idee. Denn als Streamer ist der K17 nicht gebaut, und entsprechend rustikal ist die Bedienung. Tidal Connect oder Ähnliches gibt es nicht. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Der K17 ist Roon Ready. Wer Roon nutzt, wird sich darüber freuen.
Ein kleiner Unterschied fällt auf, wenn man die Geräte vor sich hat: Beim K17 R2R ist in den Einstellungen ein anderes «Theme» ausgewählt. Orange Akzente mit schwarzer Schrift. Wer es lieber so mag wie beim K17, kann das einfach umstellen. Schon hat das Display einen schwarzen Hintergrund, die Schrift ist weiss und die LEDs leuchten blau statt orange.
Zusammen mit dem Holz vermittelt das Standard-Theme des K17 R2R einen «wärmeren und analogeren» Eindruck. Das soll wohl auf den Klang anspielen? Für solche kleinen Dinge mag ich FiiO wirklich. Ich frage mich dann immer: Wie langweilig muss es den Entwicklern sein, sich über so etwas Gedanken zu machen? :-) Aber irgendwie gehört genau das zum stimmigen Gesamtpaket, das von A bis Z durchdacht scheint – bis hin zu den Details.
Die Menüführung und die Optionen sind ansonsten fast gleich, abgesehen von den DAC-spezifischen Einstellungsmöglichkeiten und weiteren Details, beispielsweise bei der Sprachauswahl. Das dürfte beim K17 R2R allerdings auch daran liegen, dass die Firmware noch nicht so ausgereift ist wie beim K17. Solche Dinge könnten also noch folgen.
Die FiiO Control App
Die K17 können streamen und bieten eine ganze Menge Equalizer-Einstellungen. Eine App darf da natürlich nicht fehlen. Die FiiO Control App ist ganz praktisch und in Version 4 (zum Testzeitpunkt) auch intuitiv zu bedienen.
Über die App lässt sich beispielsweise ein angeschlossener Medienserver steuern. Auch eine lokale Musikbibliothek, die man über den USB-A-Anschluss direkt am Gerät zur Verfügung stellt, kann man damit nutzen. Das funktioniert tadellos. Allerdings machen das dedizierte Streamer besser.
Was an der App hingegen richtig praktisch ist, sind die Möglichkeiten zur EQ-Steuerung. Grundsätzlich kann man vordefinierte Equalizer-Profile auswählen. Aber nicht nur die klassischen Presets: Über eine von FiiO bereitgestellte Datenbank hat man auch Zugriff auf Profile anderer Nutzer. Dort finden sich beispielsweise Einträge wie «Immersive Gaming» oder Profile für bestimmte Kopfhörer, etwa den Sennheiser HD 800 S. Irgendjemand hat so ein Profil erstellt und sich gedacht: So klingt das besser oder zumindest anders. Man kann es einfach laden und bei Bedarf nochmals selbst anpassen.
Was ebenfalls möglich ist, ist das Angleichen von Klangprofilen. FiiO nennt diese Funktion «Auto EQ». Dafür wählt man einen Kopfhörer aus einer umfangreichen Datenbank – vollständig wird die natürlich nie sein – und legt ein Ziel fest. Das kann beispielsweise eine Harman-Zielkurve sein oder das Klangprofil eines anderen Kopfhörers. Um beim Beispiel zu bleiben: Man versucht, einen Sennheiser HD 800 S möglichst ähnlich wie einen Audeze LCD-X klingen zu lassen.
Natürlich sind das alles auch Spielereien. Aber vielleicht sind es genau solche Möglichkeiten, die am Ende das gewisse Extra ausmachen, durch das man einen Kopfhörer noch einmal ganz anders schätzen lernt. Ich selbst stehe dem eher kritisch gegenüber. Trotzdem: Jede Spielerei, die man nutzen, aber genauso gut ignorieren kann, macht die Welt ein bisschen spannender.
Abgesehen davon bietet die App nicht mehr wahnsinnig viel. Sie ist funktional und zuverlässig, auch wenn man das Gerät beim Start jedes Mal aufs Neue auswählen muss. Wo FiiO noch etwas Zeit investieren könnte, ist bei den Übersetzungen. Die sind teilweise doch ziemlich holprig.

Das Entscheidende - der Klang
Als Musikquelle dient bei beiden Geräten jeweils ein Qobuz-Stream ab Smartphone oder Tablet. Als Kopfhörer kommt der Sennheiser HD 800 S zum Einsatz.
Der Hörtest erfolgt unter gleichen Bedingungen. Das heisst: Der Kopfhörer ist über 4,4 mm angeschlossen, der Gain steht auf «High», der EQ ist ausgeschaltet. Beide Geräte waren identisch eingestellt und erschienen mir bei gleicher Lautstärke auch gleich laut.
Ich beginne wie immer mit meinen bewährten Tracks. Der erste Eindruck: Der Unterschied ist nicht so klar, wie ich vielleicht erwartet hätte. Je länger ich höre, desto mehr merke ich, wie stark es auf die Musik ankommt. Zwischen subtil wahrnehmbar und faszinierend unterschiedlich ist alles dabei.
Bevor ich auf die konkreten Beispiele eingehe, noch kurz ein grundsätzlicher Eindruck. Der K17 treibt den Sennheiser HD 800 S nahezu einwandfrei an. Das Potenzial des Hörers wird weitgehend ausgeschöpft, so zumindest mein Eindruck. Er spielt präzise, arbeitet Details heraus und stellt die Räumlichkeit phänomenal dar. Bei beiden Geräten bleibt das Klangbild so, wie ich es vom HD 800 S kenne und schätze: eher neutral, aber mit genügend Fundament auch untenrum. Die Leistung, die der Sennheiser braucht, liefern beide K17 problemlos.
Schauen wir uns also ein paar konkrete Beispiele für die Unterschiede zwischen dem K17 mit AKM-DAC und dem K17 R2R an – oder eben für die Momente, in denen ich kaum Unterschiede höre.
- Queen of Kings – Alessandra: Ein modern gemixter Popsong. Hier sind die Unterschiede subtil. Der K17 R2R spielt etwas kräftiger und ein wenig präsenter. Ist das nur Einbildung? Möglicherweise. Ich höre den Track zweimal komplett durch und beginne danach mit direkten A/B-Vergleichen einzelner Passagen. Doch ja, der R2R klingt tatsächlich ein wenig kräftiger. Wärmer ist er deswegen aber nicht grundsätzlich. Ehrlicherweise ist der HD 800 S nicht der Kopfhörer, der bei dieser Art von Musik vorne mitspielt. Dafür ist seine Abstimmung zu zurückhaltend. Ich merke aber auch: Daran ändert der R2R-DAC nur minimal etwas.
- Scherzo (Indiana Jones) – John Williams, Boston Pops Orchestra: Ein klassisches Orchester spielt einen Soundtrack. Hier ist der Unterschied deutlicher als beim Popsong. Der R2R klingt für mein Ohr etwas künstlicher, während der AKM die Musik schöner und präziser darstellt. Die ganz feinen Details kommen beim AKM besser zur Geltung, der R2R spielt etwas undefinierter. Zwar öffnet sich der Raum beim R2R ein wenig. Ich rücke gefühlt ein paar Reihen nach vorne im Saal. Das wirkt für mich allerdings unnatürlicher. Hier macht der AKM den besseren Job. Er holt mehr aus dem Stück heraus und unterstützt genau jene Eigenschaften, mit denen der HD 800 S brilliert.
- Pin Pricks And Gravy Stains - Sophie Solomon: Dieses Stück transportiert viel Emotion und Atmosphäre. Eine verrauchte Kellerbar irgendwo in Sofia oder Bukarest. Hier ist der Unterschied sofort und eindeutig hörbar. Der R2R spielt deutlich dynamischer und transportiert für mich mehr Emotionen. Das zieht im direkten Vergleich stärker. Ähnlich wie beim Orchester rückt man gefühlt näher ans Geschehen und der Raum öffnet sich ein wenig. Diesmal ist das ein Gewinn. Hier würde ich den R2R dem AKM vorziehen.
- Guet Nacht Elisabeth (Gurten Live 2015) - Patent Ochsner: Meine Live-Referenz. Hier geht es mir ebenfalls um Atmosphäre und räumliche Darstellung. Dazu kommen ein Klavier und rockige Komponenten. Der Effekt ist wieder ähnlich: Der R2R öffnet bereits im Intro den Raum und versetzt mich näher ans Publikum. Die Details um mich herum wirken kräftiger, die Zwischenrufe aus dem Publikum sind präsenter. Setzt dann die Musik ein und die Band legt los, neige ich wieder zur AKM-Version.
Und das zieht sich durch den weiteren Test. Bei ruhigeren, detailverliebten Stücken macht der AKM aus dem HD 800 S einen wunderbaren Kopfhörer. Wenn es zügiger vorwärtsgeht und vor allem eine Stimmung transportiert werden soll, hilft das zumeist leicht wärmere und «organischere» – oder vielleicht doch «analogere»? – Klangbild der R2R-Wandlung. Je nach Mischung ist der Unterschied aber auch schlicht egal.

Wie ich das bewerte, seht ihr im Fazit. Erst aber noch:
Was bringen die EQ-Settings?
Ausprobiert habe ich das Ganze am normalen K17. Beim K17 R2R sollten die Auswirkungen grundsätzlich sehr ähnlich sein.
Mit dem «normalen» EQ kann man einiges herausholen. Gerade den im Bassbereich nicht gerade mit viel Kraft gesegneten HD 800 S kann man damit ordentlich frisieren. Bei Rock und Pop geht mit dem voreingestellten Profil «Rock» tatsächlich eine neue Ebene auf. Der Bass wird kräftiger, bleibt dabei aber absolut kontrolliert.
Wird der HD 800 S dadurch zu einem besseren Kopfhörer? Nein, er wird zu einem anderen HD 800 S. Oder etwas zugespitzter formuliert: zu einem anderen Kopfhörer. Zu einem massentauglicheren HD 800 S vielleicht?
Was er dabei allerdings verliert, ist seine extreme Vielschichtigkeit in den Mitten und Höhen. Das fällt nicht unbedingt beim ersten Versuch auf, sondern eher beim dritten oder vierten Wechsel zwischen den Einstellungen. Hat man es einmal wahrgenommen, stört es – zumindest mich.
Schauen wir uns also die Presets an, die man sich aus den Weiten der FiiO-Server herunterladen kann. Die beiden vorgefertigten Profile für den HD 800 beziehungsweise HD 800 S lassen mich etwas ratlos zurück. Aber gut, irgendjemand auf der Welt hat sie erstellt und findet sie offenbar besser, auch wenn unkommentiert nicht nachvollziehbar ist, warum. Mir gefallen sie jedenfalls nicht.
Viel spannender ist die Auto-EQ-Funktion. Ich habe den bereits erwähnten Versuch gemacht und den HD 800 S klanglich in Richtung Audeze LCD-X getrimmt. Der Unterschied ist klar hörbar. Klingt er danach wie ein LCD-X? Dafür musste ich den LCD-X kurz vom Ständer holen. Und ja, eine gewisse Ähnlichkeit lässt sich nicht von der Hand weisen. Es ist aber kein LCD-X. Der Audeze hat mehr Kraft und mehr Fundament. Das zaubert auch ein noch so guter Equalizer nicht einfach herbei. Der Vergleich zwischen einem planarmagnetischen und einem dynamischen Treiber ist vermutlich auch nicht ganz optimal – das gebe ich zu.
Fast noch spannender fand ich die Angleichung an die Harman-Headphone-Kurve. Grundsätzlich bin ich kein Freund dieser Zielkurve, finde die Thematik dahinter aber interessant. Wer nicht weiss, wovon ich spreche, findet z.B. bei Dekoni eine ausführliche Beschreibung darüber.
Mit dieser Anpassung wird der HD 800 S für mich «gmögiger», ohne seinen Charme zu verlieren. Ein Blick auf die Kurve in der App zeigt zudem, dass die Veränderungen gar nicht massiv ausfallen. FiiO macht die Anpassungen transparent sichtbar, was ich sehr begrüsse.
Damit bleibt die grundsätzliche Frage: Was bringt Equalizing wirklich? Natürlich kann man damit eine vermeintliche Schwäche eines Kopfhörers ausgleichen. Man verändert dabei aber immer auch andere Aspekte seines Klangbilds. Die Hersteller haben sich – zumindest unterstelle ich es ihnen – bei der Abstimmung eines Kopfhörers etwas überlegt.
Wenn dir der Klang so, wie er ist, nicht zu 100 Prozent gefällt und du dich auch nicht daran gewöhnen kannst oder willst, dann nutze die Möglichkeiten. Genau dafür sind sie da. Wichtig ist, dass der EQ sauber arbeitet und keine störenden Verzerrungen verursacht. Der EQ des K17 macht das sehr gut. Übertreiben darf man es trotzdem nicht. Wer den Bass bis zum Anschlag aufdreht und zusätzlich die Lautstärke erhöht, kann den HD 800 S an seine physikalischen Grenzen bringen. Dann verzerrt er. Dass das nicht im Sinne des Erfinders ist, dürfte euch aber genauso klar sein wie mir. :-)

Fazit
Der K17 macht in beiden Versionen eine gute Figur. Er bringt alles mit, was man sich wünscht – auf der Hardware- wie auf der Softwareseite. Dank seiner vielen Anschlüsse fühlt er sich in praktisch jedem Setup wohl. Die App, die man für eine vernünftige Einstellung des Equalizers benötigt, ist in Ordnung, aber auch nicht überragend. Sie tut, was sie soll.
Die Leistung der K17 dürfte für die allermeisten Kopfhörer mehr als ausreichen. Alles in allem ist der K17, in welcher Version auch immer, eine sehr gute Wahl, wenn du einen neuen DAC-Kopfhörerverstärker oder eine DAC-Vorstufe für deine Anlage suchst.
Das EQ-Thema macht den K17 zusätzlich interessant. Richtig und mit Bedacht eingesetzt, sind Equalizer mächtige Werkzeuge. Ob man diese Möglichkeiten nutzen möchte, bleibt jedem selbst überlassen. Auch ohne EQ-Spielereien macht der K17 eine gute Figur.
Und zu welchem sollst du jetzt greifen? Für wen lohnt sich der K17, und für wen ist der K17 R2R die interessantere Wahl?
Ich habe versucht, meine Ambivalenz anhand der Beispiele im Hörtest zum Ausdruck zu bringen. Denn am Ende ist es schlicht und ergreifend eine Geschmacksfrage, welcher der beiden dir besser gefällt. Es hängt auch davon ab, welche Musik du vorzugsweise hörst. Je nach Geschmack kann der Kompromiss in die eine oder andere Richtung ausschlagen.
Die R2R-Version klingt für mich über alles etwas wärmer und entspannter und transportiert mehr Stimmung. Der K17 mit AKM-DAC spielt dafür präziser und analytischer.
Die Unterschiede sind allerdings nicht immer und überall gleich deutlich. Je nach Mixing sind sie subtil und kaum wahrnehmbar. Aber selbst bei den Stücken, bei denen ich die Unterschiede klar höre, liegen keine zwei verschiedenen Welten zwischen den Geräten. Es gibt einen Unterschied, ja – aber er bleibt überschaubar. Mit dem EQ beider Geräte dürfte man zudem klanglich vermutlich nahe an die jeweils andere Variante herankommen.
Ganz egal ist die Wahl also nicht. Wenn du aber keine sehr klaren Vorstellungen davon hast, wie dein DAC und Kopfhörerverstärker klingen sollen, darf durchaus auch die Optik entscheiden. ;-)
Mir persönlich gefällt die AKM-Version besser. Wohl wissend, dass ich mit dieser Meinung vermutlich in der Minderheit sein werde.
Wir heissen dich herzlich bei uns im Geschäft in Zürich willkommen. Beide FiiO K17 können bei uns in Zürich in aller Ruhe Probe gehört werden. Bringe gerne deinen eigenen Player, Kopfhörer oder deine Lieblingsmusik mit – wir nehmen uns Zeit für dich.