Hifiman HE1000 - Die V2 Stealth Edition gegen den HE1000 SE - wo sind die Unterschiede?

Wir vergleichen den Hifiman HE1000 V2 Stealth mit dem HE1000SE. Wo sind die Unterschiede und was macht die Kopfhörer aus?


Von Neel Bechtiger
5 Min. Lesezeit

Hifiman HE1000 - Die V2 Stealth Edition gegen den HE1000 SE - wo sind die Unterschiede?

Let’s start: Grundsätzliches

Die HE1000 Familie von Hifiman. Die „zweithöchste“ Modellserie, welche von Hifiman aus China auf den Markt schwappt. 2015 kam der erste HE1000, gefolgt 2017 vom HE1000 V2. Die ersten beiden Versionen waren schwer zu treiben und brauchten massive Verstärkerleistung – nicht zuletzt deshalb kam dann 2019 mit dem HE1000 SE die dritte Version, ergänzend zum HE1000 V2, auf den Markt.

Zum bisherigen Abschluss wurde im Frühling 2023 der HE1000 V2 Stealth Magnet Edition als Ablösung der „normalen“ HE1000 V2 vorgestellt. Um diese beiden aktuellen Modelle (HE1000 V2 Stealth und HE1000 SE) geht es in diesem Vergleich.

Der HE1000 V2 Stealth unterscheidet sich massiv vom Vorgänger, der non-stealth Version. Einerseits klanglich, andererseits auch vom Anspruch an die Quelle bezüglich der Leistung. Deshalb gilt alles hier geschriebenes bedingt bis gar nicht für die alte Version des V2.

Hifiman HE1000 V2 Stealth und HE1000 SE nebeneinander mit hellen beziehungsweise dunklen Kopfbandpolstern

Die Basics: Optik, Haptik und Lieferumfang

Aufgebaut sind die Kopfhörer identisch. Beide mit dem Holzring, einmal hell (V2 Stealth) und einmal dunkel (SE). Ohne diese Unterscheidung würde es schwierig, die Kopfhörer auseinander halten zu können – dazu aber später mehr. 

Die Verarbeitung ist grundsolide, aber auch nicht mehr. An der Mechanik kann man nichts bemängeln. Das ganze Feeling ist nicht absolut High-End (ein Empyrean von Meze fühlt sich einfach nochmals anders an). Dies wird auch immer wieder kritisiert, ob zu Recht oder nicht. Ich kann nachvollziehen, dass andere Hersteller sich mehr Mühe geben, aber es ist nun mal Teil der DNA von Hifiman, dass alles etwas einfacher gehalten wird. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf die mechanische Stabilität und Haptik, die gut sind. 

Lieferumfang

Der V2 Stealth wurde von Hifiman "eine Stufe" herabgesetzt. Der Kopfhörer kommt in der braunen Kartonbox, mit zwei Kabeln (6.3mm und XLR) und diesem unsäglichen Schaumstoffständer. That’s it. Der SE bleibt auf der „High-End“ Stufe stehen. Er kommt in der edlen Lederbox und gleich mit drei Kabeln (3.5mm / 6.3mm / 4-Pin XLR). Die Kabel sind nicht identisch, auch wenn man das aufgrund der Optik glauben könnte. Beim SE sind es Hybridkablel (crystalline copper and crystalline silver), beim Stealth reine Kupferkabel (oxygen-free copper). Diese Kabel sind in Ordnung, darum soll es in diesem Test aber nicht gehen.

Diese Unterscheidung zwischen Verpackung und Lieferumfang ist eigentlich wenig relevant. Sie zeigt aber, welchen Weg Hifiman mit dem HE1000 V2 Stealth geht. Denn (jetzt kommt der Punkt): Die Stealth Edition ist einfach mal 500.- günstiger als es die normale V2 war. Dies zeigt sich auch in der Verpackung. Wo der Preisunterschied zwischen der V2 und dem SE früher gar nicht so gross war, klafft jetzt in der Preisliste ein beachtliches Loch. Darauf komme ich im Fazit nochmals zu sprechen. 

Vergleich der Ausstattung von Hifiman HE1000 V2 Stealth und HE1000 SE mit Ständer, Holzbox und Anschlusskabeln

Das Entscheidende: Der Klangunterschied

Da habe mich mir selbst eine Aufgabe aufgeladen. Es gibt einfachere Challenges. Das dachte ich zu Beginn der Vergleichsession (und immer noch). Denn eines ist klar: Die Unterschiede zwischen diesen beiden Kopfhörern sind klein. Ich habe aber extra ausgeschlafen, die Ohren geputzt, erst etwas gegessen und mich dann voller Elan ans Ausprobieren gemacht. Beste Voraussetzungen sind also gegeben ;-).

Einige Reviewer in den Weiten des Internets meinen, riesige Unterschiede zu hören. Dem kann ich mich nicht anschliessen. Ich habe aber auch, zugegeben, ein „normales“ Gehör. An mir oder meinem Gehör zweifeln mag ich jetzt aber aufgrund meines Resultats nicht.

Ich habe meine Playlist wie gewohnt begonnen. Hm. Ja also man kann sich einen Unterschied einbilden. Je länger man hört, desto weniger wird es Einbildung, sondern gehörte Realität. Da hat weder Steff la Cheffe noch Alessandra etwas daran geändert. Aber ob der Unterschied den Blindtest überlebt? Eher nicht. Gefühlt ist der Stealth etwas weiter, etwas klarer. Der SE etwas zurückhaltender, etwas neutraler, ein bisschen weniger Badewanne. 

Fortgefahren mit Human vom Rag’n’Bone Man … hm nein – aber festgestellt: dafür sind die HE1000 nicht uuunbedingt gebaut. Die Abstimmung der Kopfhörer verträgt sich nicht mit dem Mastering. Da hat man beim Mastern zu fest auf Badewannen-Hardware geachtet. Was im Hintergrund sein sollte, ist viel zu präsent. Aber ich schweife ab …

Es folgt Knopfler, etwas Sophie Solomon und Skyfall von Adele. Oh, mit Sykfall geht’s langsam in die richtige Richtung! Ich glaube, ich muss die Musik mal umstellen, um die Unterschiede klarer zu machen. Ich brauche etwas grosses, etwas mächtiges, etwas vielschichtiges. Und siehe da, kaum spielt das Orchester auf (z.B. Klaus Badelt) wird’s klarer. Die Vermutung von oben bestätigt sich. Der SE ist räumlicher von links und rechts, vorne und hinten. Die Bühne von der V2 ist minimst kleiner. Vor allem nach vorne bildet er weniger ab. Wer das klar hören will: das Intro von Patent Ochsner, Live vom Gurten, Guet nach Elisabeth. Und der SE ist schneller und mehr auf den Punkt. Die V2 hallt etwas nach … das ist jetzt aber nicht wertend. Denn wenn Tom Odell das Piano anstimmt klingt das stimmiger, wenn auch nicht realistischer. Zugegeben, ich betreibe hier gerade Wortklauberei. 

Dieser letztgenannte Unterschied ist aber klar und vielleicht auch der grösste. Damit einhergehend habe ich die Kopfhörer auf Sibilanten „Untersucht“, weil man das beim SE immer wieder mal als Kritikpunkt liest. Keine Bestätigung, zumindest im Vergleich. Auch hohe Töne sind nicht aggressiv, beim SE sogar ganz leicht weniger als bei der V2. Aber bei beiden auf einem Niveau, wo man sich nicht wirklich dran stören kann. Auch bei höherer Lautstärke (musste ich für die Untersuchung in Kauf nehmen ;)) ist da nichts Unangenehmes für meine Ohren.

Ganz zum Schluss kommt noch der Hifiman Arya Organic mit ins Spiel. Erst vor kurzem getestet und als „Gegengewicht“ macht das Sinn. Wenn ich mich an den Test damals erinnere, sind die HE1000 (beide) von der Tonalität irgendwo zwischen dem Arya Stealth und Arya Organic. Sie tragen nicht so dick auf wie der Organic, sind aber weniger linear als der Arya Stealth. Bei der Räumlichkeit gewinnen beide HE1000 um Längen, ebenso bei der Auflösung (Grüsse an Klaus Badelt ;)).

Zwei Hifiman-HE1000-Kopfhörer mit unterschiedlich gefärbten Holzrahmen und Kopfbandpolstern auf einem Holzständer

Fazit:

Ich bin ambivalent … deshalb teile ich das Fazit in zwei Teile. Preis / Leistung und Klang. 

Preis / Leistung

Es ist ein no-brainer. Der übliche Preisunterschied von ~ CHF 1000.- für den SE gegenüber dem V2 Stealth lässt sich nur schwer rechtfertigen. Weder klanglich noch vom Zubehör / Lieferumfang her. Der V2 Stealth liefert fast den gleichen Sound wie der SE. Ob da Hifiman jemals an der Preisschraube des SE, dreht wissen wir nicht. Ich würde es den Chinesen empfehlen. 

Klang

Der HE1000 SE ist der bessere Kopfhörer. Ohne wenn und ohne aber. Und das allein aufgrund des Klangs. Wie oben erwähnt, rechtfertigt der Unterschied aber den Preisaufschlag nicht … oder nicht allein. Denn: Wer sich hinsetzt und den Kopfhörer für die nächste Dekade sucht, der könnte sich die Investition durchaus ernsthaft überlegen. Der SE ist fair eingepreist in der Welt der Kopfhörer, einfach nicht unbedingt gegenüber der V2. Daraus liest man auch: der HE1000V2 Stealth ist für die geforderten Taler wirklich, wirklich fair! 

Für wen „Schnelligkeit“ maximal wichtig ist und mit dem leichten nachklingen vom V2 Stealth auch nicht leben möchte … der sollte zum SE greifen. Denn das sind die zwei Punkte, die man an der V2 Stealth bemängeln kann im direkten Vergleich. Für alle anderen: Nimm die V2. Du wirst absolut happy sein damit!

Im Vergleich zu den Arya gewinnen beide HE1000. Sie machen Spass, sind aber nicht so neutral wie der Arya Stealth oder so „überbordend“ wie der Arya Organic. Zudem bieten sie mehr Auflösung und eine bessere Räumlichkeit. Der Aufpreis ist zwar nicht vernachlässigbar klein, aber gerechtfertigt. 

Wie immer gilt aber auch hier wieder: Your try - your impression - your choice!



In diesem Test verwendet:

Die folgenden Produkte haben wir für diesen Test verwendet. Du kannst gerne bei uns vorbeikommen und sie ausprobieren, oder über den Webshop direkt bestellen.

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