iFi Audio iDSD GR2 - ein Kleiner ganz gross

Der GR 2 eignet sich besonders für Hörer, die einen vielseitigen DAC/Kopfhörerverstärker für den mobilen Einsatz suchen, dabei aber nicht auf Leistung und umfangreiche Anschlussmöglichkeiten verzichten möchten.


Von Neel Bechtiger
9 Min. Lesezeit

iFi Audio iDSD GR2 - ein Kleiner ganz gross

Was kann so ein kleines Gerät eigentlich?

Der iFi iDSD GR 2 ist die nächste Generation des iFi Gryphon und damit dessen direkter Nachfolger. Mit dem Gryphon wechselte iFi 2021 von den Micro-iDSD-Generationen zu einem deutlich handlicheren, flacheren Format. Beim Funktionsumfang und bei der Leistung blieb das Konzept im Kern jedoch erhalten – und das war schon beim Gryphon eine ziemlich gute Kombination.

iFi selbst bezeichnet den GR 2 mit dem Slogan «A Legend, Perfected». Der Gryphon sorgte damals tatsächlich für einiges Aufsehen: Das handliche, flache Format, die hohe Leistung und die umfangreiche Anschlussausstattung waren ihrer Zeit fast etwas voraus. Dass die Marketingabteilung ihn deshalb als Legende bezeichnet … nun ja, Marketingspeech eben. ;-)

Was ist der iFi Audio iDSD GR 2?

Der iFi iDSD GR 2 ist ein portabler DAC und Kopfhörerverstärker mit integriertem Akku. Er kann Musik über USB, Bluetooth, Coax, optisch oder analog entgegennehmen und bietet sowohl einen 4,4-mm- als auch einen 6,3-mm-Kopfhörerausgang. Durch seine kompakte Bauweise eignet er sich besonders für mobile HiFi-Setups, bietet aber genügend Leistung, um auch anspruchsvollere Kopfhörer anzutreiben.

Was macht der iFi GR 2?

Der GR 2 ist ein portabler DAC/Kopfhörerverstärker mit integriertem Akku und ca. 7 Stunden Laufzeit. Diese 7 Stunden haben sich im Test als realistisch erwiesen. Als Eingänge stehen sowohl digitale als auch analoge Anschlüsse zur Verfügung. Gerade Letzteres ist bei einem Gerät dieser Klasse eher ungewöhnlich –aber oft ausgesprochen praktisch.

Bedienung über den Touchscreen: 

Der GR 2 ist das erste iFi-Gerät mit einem kleinen Touchscreen, der Vorgänger hatte noch keinen. Der Vorteil liegt auf der Hand: mehr Funktionen, ohne das Gerät mit Knöpfen zu überfüllen. Einige Funktionen lassen sich über das Display steuern – teilweise zusätzlich zu den physischen Knöpfen, teilweise ist es die einzige Möglichkeit. Das ist nicht weiter schlimm, denn das Display ist hell, die Sensitivität des Touchscreens ist gut und die Funktionen sind klar beschriftet. Die eine oder andere Funktion ist nur durch langes Drücken eines Symbols erreichbar; dieses Wissen musst du dir aneignen, aber einmal gelernt ist es zugunsten der Übersichtlichkeit keine schlechte Lösung.

Blauer iFi Audio iDSD GR2 mit Verpackung, schwarzem Beutel und drei Anschlusskabeln

Lieferumfang und Haptik

Der iDSD GR 2 wird mit drei USB-Kabeln geliefert. Alle drei enden auf USB-C, auf der anderen Seite gibt es jeweils USB-C, Lightning und USB-A. Sehr sympathisch: Auch ein Kabel für ältere iPhones und iPads mit Lightning-Anschluss liegt noch bei, obwohl es dafür immer weniger potenzielle Nutzer gibt.

Zum Lieferumfang gehört ausserdem eine Stofftasche für den Transport. Ein optionales Etui für die Nutzung im Case ist als Zubehör erhältlich.

Der GR 2 liegt gut in der Hand. Er ist für den mobilen Einsatz weder zu gross noch zu schwer, und die ungefähre Grösse eines Smartphones ist sicher nicht ganz zufällig gewählt. Verbindet man Smartphone und GR 2 miteinander, erhält man ein erstaunlich kompaktes mobiles Setup.

Praktisch ist auch die Tastensperre, die sich über das Display aktivieren lässt. Sie verhindert, dass sich in der Tasche versehentlich Einstellungen verändern – die Lautstärke eingeschlossen.

Damit ist der GR 2 nicht nur funktional gut ausgestattet, sondern auch tatsächlich auf den mobilen Einsatz ausgelegt. Wie sich die vielen Möglichkeiten in der Praxis bewähren und was davon klanglich tatsächlich ankommt, schauen wir uns weiter unten an.

Blauer iFi iDSD GR2 und grauer xDSD Gryphon mit ihren Displays im Grössenvergleich

Die Klangfunktionen:

Die bekannten Funktionen vom Gryphon wurden grösstenteils übernommen, es kam aber einiges dazu. Schauen wir uns die bekannten und neuen Funktionen einmal genauer an (mit der Bemerkung, wo du die jeweilige Einstellung vornimmst):

  • X-Bass – Knopf oder Touchscreen: Hebt den Tiefbass gezielt an, ohne den gesamten Frequenzbereich zu verändern. Sorgt für mehr Fundament, Punch und Volumen – besonders bei bassarmen Kopfhörern oder offenen Modellen.
  • X-Space – Knopf oder Touchscreen: Erzeugt eine grössere räumliche Darstellung. Instrumente und Stimmen wirken etwas weiter auseinander, die Bühne gewinnt an Breite und Offenheit.
  • K2 – Knopf oder Touchscreen: Eine digitale Signalverarbeitung, die versucht, beim Digitalisieren oder Komprimieren verloren gegangene Informationen – insbesondere harmonische Strukturen und Zeitinformationen – zu rekonstruieren. Ziel ist ein natürlicherer, räumlicherer und musikalischerer Klang.
  • K2HD – Knopf oder Touchscreen: Nutzt die vollständige K2-Verarbeitung inklusive Upsampling. Soll Tiefe, Natürlichkeit und harmonische Details wiederherstellen.
  • Gain bzw. iEMatch – Touchscreen: Passt die Verstärkung an unterschiedliche Kopfhörer an. Höherer Gain erhöht nicht die Klangqualität, sondern stellt mehr Leistung für hochohmige oder leistungshungrige Modelle bereit. Der iEMatch richtet sich an sehr empfindliche In-Ear-Hörer: Er reduziert ein mögliches Grundrauschen (Hiss) und ermöglicht eine feinere Lautstärkeregelung.
  • Filterwahl – Touchscreen: Verändert das Verhalten der DAC-Filter. Je nach Filter können Transienten schärfer oder weicher wirken, der Hochton minimal sanfter oder präziser erscheinen und das Einschwingverhalten variieren. Die Unterschiede sind meist subtil und hängen stark vom Kopfhörer und der Aufnahme ab.
  • Eingangswahl – Touchscreen: USB, Bluetooth, COAX, Optisch oder Analog – welcher Eingang soll es sein?
  • Line-Out oder Kopfhörer – Touchscreen: Im Line-Out Modus wird die Kopfhörerverstärkung umgangen, wenn der GR 2 beispielsweise an einer Anlage oder an Aktiv-Lautsprechern genutzt werden soll.

Über den Touchscreen kann man den Klang stummschalten (Mute), die Lautstärke lässt sich jedoch nur über das Drehrad regulieren.

Anschlussseite des iFi iDSD GR2 mit zwei USB-C-Buchsen und Audioanschlüssen

Akku und weitere Einstellungen:

In den Einstellungen finden sich weitere, eher praktische Funktionen. Für den Akku stehen gleich drei Optionen zur Verfügung. Besonders interessant ist der «Health Mode»: Damit lässt sich der Akku beim Laden schonen, indem er nicht jedes Mal vollständig auf 100 Prozent geladen wird.

Über Dual-Charge lässt sich die Ladegeschwindigkeit beeinflussen. Ausserdem kann festgelegt werden, ob der GR 2 beim Betrieb ausschliesslich den internen Akku verwendet oder zusätzlich Strom von der angeschlossenen Quelle bezieht.

Weitere Einstellungen betreffen beispielsweise die Display-Helligkeit oder das Bluetooth-Pairing. Eine Tastensperre verhindert zudem, dass sich in der Tasche versehentlich Einstellungen verändern.

Die iFi Nexis App

Über die iFi Nexis App lässt sich der GR 2 per Bluetooth ansprechen. Viel mehr als Firmware-Updates und die Auswahl beziehungsweise Vorgabe eines Bluetooth-Codecs bietet die App derzeit allerdings nicht. Der Rest ist eher informativ.

Vielleicht kommt in Zukunft noch mehr dazu.

Bluetooth und der iFi GR 2:

Bluetooth ist im GR 2 als Empfänger integriert. Dank des Akkus lässt sich das Gerät damit sehr flexibel einsetzen, auch wenn das Kabel zum Kopfhörer natürlich bleibt.

Nichts für Puristen, aber in gewissen Situationen ausgesprochen praktisch. Das Smartphone kann beispielsweise ganz normal bedient werden, während der GR 2 in der Tasche steckt oder neben dem Bett liegt. Gerade unterwegs oder beim entspannten Musikhören ist das eine sehr angenehme Lösung.

Klanglich wird man über Bluetooth das volle Potenzial des GR 2 und damit auch dasjenige des angeschlossenen Kopfhörers nicht ausschöpfen. Mit LDAC, aptX Lossless, aptX Adaptive und AAC unterstützt der Empfänger allerdings verschiedene hochwertige Bluetooth-Codecs.

Von mir dafür ein Daumen hoch: Die Möglichkeit zu haben, schadet nie. Und wer Bluetooth nicht nutzen möchte, lässt es einfach bleiben.

Das Entscheidende - der Klang

Funktionsweise der Klangeinstellungen

Hier lohnt sich ein Blick ins Detail: Während die K2-/K2HD-Verarbeitung und die DAC-Filter auf digitaler Ebene arbeiten, setzt iFi bei X-Bass und X-Space auf analoge Schaltungen. Das Signal wird bei diesen beiden Funktionen also nicht digital über einen DSP verändert, sondern über die analoge Schaltung des GR 2 angepasst.

Das ist technisch interessant, weil sich die verschiedenen Klangoptionen damit nicht alle auf dieselbe Art auf das Signal auswirken. Was davon tatsächlich hörbar ist, schauen wir uns im Praxistest an.

Der Sound:

Getestet habe ich den GR 2 mit dem ZMF Tessidera, den ich unlängst selbst einem ausführlichen Test unterzogen habe (Link zum Blog). Angeschlossen war er symmetrisch über 4,4 mm, als Quelle diente ein Lossless-Stream vom Smartphone via USB.

Wie klingt der iFi iDSD GR 2?

Der GR 2 klingt neutral bis leicht dynamisch und lässt dem Charakter des angeschlossenen Kopfhörers viel Raum. Wer die Abstimmung verändern möchte, findet dafür zahlreiche Möglichkeiten.

Der Tessidera spielt am GR 2 fast genauso gut auf wie an einem grossen Verstärker. Natürlich ist zu spüren, dass man hier ein portables Gerät vor sich hat, aber ich bin beeindruckt von dem, was der GR 2 liefert. Was mich am Tessidera besonders begeistert – seine emotionale und unmittelbare Darstellung –, bringt der GR 2 ziemlich genau so rüber. Was im Vergleich zum grossen Verstärker fehlt, sind die letzten Prozent bei Auflösung, Dynamik und Klangbühne.

«Macht es denn Sinn, einen solchen Kopfhörer an einem GR 2 zu betreiben?», magst du dich fragen. Meine Antwort ist: ja. Aber nicht als Ersatz für einen guten stationären Verstärker. Als portable Alternative, die nicht Unsummen kostet, um sich frei von der Anlage bewegen zu können, ist der GR 2 hingegen eine sehr gute Lösung.

Und damit ist für mich schon einmal klar: Der GR 2 ist nicht nur ein praktischer Begleiter für unterwegs. Er kann auch einen anspruchsvollen Kopfhörer ernsthaft antreiben.

Den Sound des GR 2 im «Alles-aus-Modus» siedle ich irgendwo zwischen erfrischend neutral und leicht dynamisch an. Er ist kein Studioverstärker, aber auch kein Dynamikmonster. Diese Abstimmung ist von iFi meiner Meinung nach sehr clever gewählt, denn sie macht den GR 2 mit den meisten Kopfhörern zu einer guten Wahl. Und wenn man doch etwas verändern möchte, stehen dafür die verschiedenen Klangfunktionen bzw. Filter zur Verfügung.

ZMF Tessidera mit Holz-Ohrmuscheln am blauen iFi iDSD GR2 angeschlossen

Wo wir gerade bei den Klangfunktionen bzw. Filtern sind: Welche Unterschiede höre ich damit:

X-Bass: Der Subbass wird spürbar angehoben. Es klingt natürlich und verändert die Abstimmung des Kopfhörers hörbar. Verzerrungen stelle ich keine fest. Ich kann mir vorstellen, dass nicht wenige diese Funktion dauerhaft aktiviert lassen, wenn ein Kopfhörer tendenziell etwas schwachbrüstig ist. Beim Tessidera allein passt das für mich aber nicht ganz in die Abstimmung – da stimmt für meinen Geschmack etwas nicht mehr.

X-Space: Die Musik wird im ersten Moment etwas heller. Wird der Raum auch grösser? Mir scheint, als ob die Mitten angehoben werden, so könnte dieser Eindruck tatsächlich entstehen. Bei meiner Live-Referenz funktioniert der Effekt auf jeden Fall erstaunlich gut.

X-Space + X-Bass: Wer Freude an den Einstellungen findet, wird vermutlich beide Funktionen gleichzeitig aktivieren. Zumindest am Tessidera wirkt die Kombination für mich wieder ziemlich stimmig.

K2: Ganz ehrlich: In meinem Setup fällt es mir schwer, einen Unterschied zu hören. Ich bilde mir ein, dass die Stimme von Zoë Më bei «Voyage» ein wenig näher rückt. Einen Blindtest würde diese Wahrnehmung aber wohl nicht überleben.

K2HD: Jetzt kommen wir der Sache näher. Hier höre ich einen Dynamikzugewinn über das komplette Frequenzspektrum. Gleichzeitig wirken die Höhen etwas spitzer, weshalb ich etwas leiser drehen muss. Alles in allem ist der Unterschied hörbar. Ob es auch ein Gewinn ist? Geschmackssache.

DAC-Filter: Bei den DAC-Filtern sind die Unterschiede minimal. Mit dem Tessidera ist in diesem kurzen Test kaum etwas wahrzunehmen, das sich objektiv beschreiben liesse.

Klanganpassungen: eher Geschmackssache statt Klangverbesserung:

Meine grundsätzliche Erkenntnis bei den verschiedenen Klangfunktionen: Am Ende ist vieles eine Frage des persönlichen Geschmacks. Was dem einen besser gefällt, kann für den anderen eine Verschlechterung sein.

Genau darin liegt für mich aber auch der Reiz des GR 2. Die verschiedenen Optionen wollen nicht zwingend aus einem Kopfhörer einen „besseren“ Kopfhörer machen. Sie geben dir vielmehr die Möglichkeit, seine Abstimmung an den eigenen Geschmack oder an die jeweilige Aufnahme anzupassen.

Front des iFi iDSD GR2 mit Lautstärkeregler, Kopfhörerbuchsen und XSpace- sowie XBass-Tasten

Fazit

Der GR 2 spielt in seiner Klasse der portablen DAC/Kopfhörerverstärker ganz weit oben mit. Er bietet praktisch alles, was man sich von einem solchen Gerät wünschen kann – inklusive eines analogen Eingangs. Vermutlich bietet er dir sogar mehr, als du heute brauchst. Aber wer weiss schon, welche Anforderungen morgen dazukommen.

Die Bedienung über den Touchscreen ist gut gelöst, die Funktionen sind übersichtlich angeordnet, durchdacht gegliedert und nach einer kurzen Eingewöhnungszeit einfach erreichbar.

Für wen eignet sich der iFi iDSD GR 2?

Der GR 2 eignet sich besonders für Hörer, die einen vielseitigen DAC/Kopfhörerverstärker für den mobilen Einsatz suchen, dabei aber nicht auf Leistung und umfangreiche Anschlussmöglichkeiten verzichten möchten. 

Auch mit einem anspruchsvollen Kopfhörer, der von einem guten Verstärker profitiert, kommt der GR 2 sehr gut zurecht. Der getestete ZMF Tessidera spielt an ihm fast auf dem Niveau eines grossen stationären Verstärkers. Die letzten Prozent bei Auflösung, Dynamik und Klangbühne bleiben dem grossen Setup vorbehalten.

Die grosse Stärke des GR 2 sind seine zuschaltbaren Klangoptionen. Sie erlauben es, die Abstimmung eines Kopfhörers individuell anzupassen. Da das Klangempfinden genau so individuell ist wie der Musikgeschmack, wirst du die Filter vielleicht sogar dauerhaft eingeschaltet lassen und froh darüber sein.

Alles in allem kann ich den GR 2 nur loben: Für den geforderten Preis erhält man eine Menge Verstärker, DAC und Funktionen in einem erstaunlich kompakten Gerät.

Wir heissen dich herzlich bei uns im Geschäft in Zürich willkommen. Der iFi GR 2 kann bei uns in Zürich in aller Ruhe Probe gehört werden. Bringe gerne deinen eigenen Player oder deine Lieblingsmusik mit – wir nehmen uns Zeit für dich.



In diesem Test verwendet:

Die folgenden Produkte haben wir für diesen Test verwendet. Du kannst gerne bei uns vorbeikommen und sie ausprobieren, oder über den Webshop direkt bestellen.

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