Yamaha YH-C3000 - Audiophil von Yamaha!?
Der Yamaha YH-C3000 ist ein geschlossener Kopfhörer für audiophiles Hören. Das Yamaha Instrumente und Pro-Audio kann steht ausser Frage, kann Yamaha auch audiophil?
Let’s start: Grundsätzliches
Yamaha baut Kopfhörer? Und ob.
Nur hat das audiophile Hörer bislang kaum interessiert. In der audiophilen Welt fristeten sie eher ein Schattendasein.
Dass Yamaha etwas von «Musik» im grundsätzlichen Sinne versteht, muss man niemandem erklären. Warum also diese Expertise und dieses Know-how nicht nutzen, um uns Audiophilen etwas zu bieten? Das haben sich die Japaner wohl auch gedacht und vor einigen Jahren den offenen High-End-Hörer YH-5000SE auf den Markt gebracht.
Nun legen die Japaner nach: Mit dem geschlossenen YH-C3000 erweitert man das Sortiment um einen Kopfhörer im mittleren Preissegment. Geschlossene Hörer sind in diesem Bereich keine Massenware. Es gibt sie – aber deutlich weniger als in der offenen Kategorie. Yamaha sucht sich also nicht den einfachsten Weg. Ob dieser Mut belohnt wird?
Weil ich Yamaha als Ganzes noch gar nicht einordnen kann, bin ich sehr gespannt auf diesen Kopfhörer – und auf den Vergleich, wie er sich gegen einen «alten Hasen» wie den Sennheiser HD 820 schlägt.

Die Basics: Optik, Haptik und Lieferumfang
Was zur … wie soll … hm! Ich versuche, den C3000 irgendwo einzuordnen, aber es gelingt nicht. Genau das macht – wenn ich einen Schritt zurücktrete – eine Menge Spass. Yamaha hat das Rad nicht neu erfunden, aber in der Hand fühlt sich der Kopfhörer irgendwie nicht so an, als hätte man etwas «Bekanntes» in den Fingern.
Der Yamaha ist mit seinen 330 g ein Leichtgewicht und kleiner als viele andere geschlossene Kopfhörer in diesem Preisbereich. Auffällig sind die aufgesetzten Buchsen für das Kabel. Alles ist aufs Minimum reduziert. Dennoch sind die Muscheln gross genug für die meisten Ohren. Der erste Eindruck deckt sich nicht ganz mit dem Preisschild, was vor allem dem geringen Gewicht geschuldet ist. Betrachtet man den Kopfhörer jedoch genauer und lässt ihn auf sich wirken, verfliegt dieser erste Eindruck schnell. Was man in den Händen hält, ist hochwertig und angenehm. Die Entwicklung sowie die Produktion dieses Kopfhörers finden in Japan statt. Den Japanern sagt man einen Drang zum Perfektionismus nach – und das merkt man dem Kopfhörer an. Ganz ohne Kunststoff kommt er trotzdem nicht aus, etwa bei der Grössenverstellung des Bügels.
Spannend ist im Produktbeschrieb der Hinweis, dass die Muscheln aus Buchenholz bestehen und man eine feine Maserung erkennen soll. Nun, das Holz ist hochglanzlackiert und poliert – ausser einem leicht rötlichen Farbton erkenne ich bei unserem Demo nichts davon. Wenn Holz aber das Material der Wahl war, wird das seine Gründe haben.
Was haben wir alles in der Box? Das Case ist hochwertig und erfüllt seinen Zweck. Für den Alltag im Rucksack ist es jedoch etwas gross ausgefallen – für ein «Transport Case» schleppt man nicht wenig Luft mit sich herum.
Kabel und Anschlüsse
Erfreulich sind die 3,5-mm-Anschlüsse am Kopfhörer. Weniger erfreulich ist deren Bauart. Die Stecker sind tief versenkt und am Ende sehr eng. Das heisst, man bekommt kaum alternative Kabel in die Buchsen. Weder die Pro OFC von ZMF noch die Premium PCUHD von Meze passen. Umso bedauerlicher ist es, dass ein unsymmetrisches Kabel mit 3,5 mm mitgeliefert wird. Wenn schon nur ein Kabel beiliegt, wäre ein symmetrisches Kabel mit 4,4 mm die bessere Wahl gewesen. Der Kopfhörer positioniert sich klar im audiophilen Markt – diese Entscheidung von Yamaha ist für mich nicht ganz nachvollziehbar und ehrlich gesagt schade. Es gibt bestimmt kompatible Kabel, aber nicht unsere «Standardkabel», die wir mögen und üblicherweise empfehlen. Yamaha hat mit dem «HBCSC020» (jenes vom YH-5000SE) ein passendes 4,4-mm-Kabel im Angebot, mit etwa 600.– aber sehr selbstbewusst eingepreist.
Lassen wir uns von diesem kleinen Dämpfer nicht den positiven ersten Eindruck vermiesen.
Die technische Seite und die Werbung
Technisch liest sich der Produkttext von Yamaha geschmeidig. Man merkt, dass sich jemand bei Entwicklung und Abstimmung Gedanken gemacht hat. Der Text mag von der PR-Abteilung verfasst worden sein, aber es wirkt, als hätte ein Ingenieur mitgeschrieben. Doch wie immer in diesem Blog: Die wunderbare Welt der Technik ist hier nicht entscheidend. Es zählt einzig, wie etwas klingt. Auch da lässt sich Yamaha in der Werbung nicht lumpen. Yamaha verspricht nichts weniger als:
«Der Name des ARMODYNAMIC-Treibers leitet sich vom italienischen Begriff „Armonia“ ab, der sich auf musikalische „Harmonie“ bezieht, und wurde speziell für den YH-C3000 neu entwickelt. […] Der YH-C3000 liefert einen realistischen, präzisen Klang, mit dem Sie jede Nuance und jedes Detail geniessen können: den Atem der Sänger, die emotionale Kraft des Gesangs, die zarten Zupftöne von Saiteninstrumenten. Vor allem aber glänzt der YH-C3000 bei der Wiedergabe des echten Klangs von Live-Musik.»
Das ist eine Ansage. In meiner Playlist verstecken sich einige Live-Perlen – und was gibt es Schöneres, als in ein Konzert einzutauchen und den Moment noch einmal zu erleben?

Das Entscheidende - der Klang
Mit seiner Impedanz von nur 34 Ohm und einem Wirkungsgrad von 94 dB sollte der Kopfhörer relativ einfach zu betreiben sein. Mein Setting besteht einerseits aus dem SPL Phonitor XE und andererseits aus einem iBasso DC-Elite.
Noch immer mit dem oben zitierten Abschnitt bezüglich der Qualität von Live-Aufnahmen im Kopf steige ich gleich mit (m)einer Referenzaufnahme für die Livesituation ein: Gurten Festival, Patent Ochsner.
Die Räumlichkeit reisst mich nicht sofort mit. Nicht extrem breit, auch nicht extrem tief – aber je länger das Konzert dauert, desto mehr bin ich «drin». Die Abstimmung und die Separation machen’s! Ich tauche tiefer ein, und das alles bei einem relativ niedrigen Lautstärkepegel. Lauter zu hören ist zwar möglich, aber schlicht nicht nötig. Das Publikum ist nah. Ich stehe nicht in der ersten Reihe. Ich sitze am Mischpult weiter hinten. Und vielleicht … nehme ich das Publikum etwas zu stark wahr?
Der Sache gehe ich nach, denn jetzt wird es spannend. Ich höre mich quer durch meine Playlist. Und das meint wirklich quer durch. Es fällt mir oft schwer, einen Track zu unterbrechen, denn es passt einfach meistens.
«Meistens» – ein schreckliches Wort für so einen Test.
Gehen wir dem Ursprung auf den Grund. Der YH-C3000 zeigt: Das Wort «Effekthascherei» existiert in seinem Vokabular nicht. Und genau dieses schlichte Darstellen macht ihn aus. Genau deshalb lohnt es sich, den YH-C3000 selbst einmal aufzusetzen.
Er ist nicht so linear wie ein echter Studiokopfhörer, aber die Handschrift eines Soundingenieurs, der es nicht krachen lassen will, ist unverkennbar. Der Kopfhörer ist eher neutral abgestimmt. Wie ein Lied oder ein Album klingt, hängt stark von der Abmischung ab. Wurde dynamisch gemischt, mit einer Prise Bass und ordentlich Höhen, stellt er das genau so dar. Wurde hingegen Wert auf ein neutrales Mixing gelegt, bildet er auch das entsprechend ab. Das heisst (ich komme langsam zum Punkt): Schlecht gemixte Aufnahmen klingen einfach nicht «richtig».
Ein gut gemachtes, modern-dynamisches Mixing klingt hervorragend – da ist Bass, da sind Höhen. Ein gut gemachtes, neutraleres Mixing klingt ebenfalls hervorragend: alles ist präsent und genau dort, wo es sein soll. Man muss sich aber bewusst sein: Ein sehr neutral gemischtes klassisches Konzert ist dann eben sehr neutral. Das ist nicht wertend gemeint – es ist einfach wenig «Fleisch am Knochen» in der Dynamik.
Was mir an dieser Abstimmung besonders gut gefällt, sind die Mitten. Diese sind sinnigerweise präsenter als bei vielen anderen Kopfhörern. Das bedeutet, man hört Dinge, die bei vielen anderen Setups in Vergessenheit geraten oder (weniger zugespitzt formuliert) in den Hintergrund rücken. So rückt beispielsweise das Publikum in der Live-Session stärker in den Vordergrund. Und das gilt natürlich für viele Bereiche bei vielen Liedern. Die Aufnahmen wirken dadurch sehr intim und angenehm zurückhaltend.
Was ich mit dem YH-C3000 nicht kann, ist laut hören – aber man braucht es auch nicht. Weil im Mitteltonbereich derart viel «Action» ist, hat mehr Lautstärke nicht nur den Effekt von mehr Bass und/oder mehr Höhen, sondern alles wird einfach lauter (und mir schnell zu laut).
Mittenbetonte oder lineare Kopfhörer sind natürlich nichts Neues. Der YH-C3000 bringt das jedoch auf eine Weise, die überraschend frisch wirkt. Üblicherweise klingen solche Kopfhörer gerne dumpf. Das ist hier überhaupt nicht der Fall, oder es fällt zumindest nicht störend auf. Vorausgesetzt natürlich, das Mixing passt. Wenn ein moderner Track wie «The Man with the Red Face» von Meute läuft, dann bringt er alles sehr präzise auf den Punkt: nicht zu neutral, nicht belegt, nicht dumpf.
Und so kann ich über den Bass oder die Höhen gar nicht allzu viel sagen.
Was ich sagen kann ist, dass er sehr gut darstellt. Die Auflösung stimmt. Der Bass ist schnell, mit einem angenehm leichten Nachhallen, sodass er nicht trocken oder langweilig wirkt.
Für wen sind diese Kopfhörer geeignet?
Wenn du hören willst, was der Künstler beabsichtigt hat und das Mastering sein Handwerk versteht, bist du hier richtig. Ebenfalls wenn du Auflösung und einen eher neutralen Klang magst. Oder wenn du nicht auf Teufel komm raus bei jedem Song mitgerissen werden willst. Kurz: wenn du es ruhiger, angenehmer und auch leise magst.
Für wen ist der Kopfhörer nicht geeignet?
Wenn es dröhnen oder krachen soll. Wenn dein Fuss nur dann im Takt wippt, wenn dich die Dynamik übermannt. Oder wenn du dich sehr spezifisch in einem Genre bewegst. Denn wenn er deinen Geschmack nicht trifft, dann hast du ein Problem :-).
Am mobilen Setup
Der DC-Elite von iBasso hat überhaupt kein Problem, den Kopfhörer anzutreiben – unsymmetrisch wohlgemerkt. Unterschied zum stationären Setup? Keiner, ausser dass der DC-Elite etwas spielfreudiger wirkt als die SPL-Verstärker. Diesen Unterschied kann ich jedoch grösstenteils gedanklich ausgleichen. Daher behaupte ich in meiner subjektiv-objektiven Art: Den YH-C3000 angemessen zu betreiben, ist für einen Verstärker nicht sehr anspruchsvoll. Das ist ein grosses Plus für die mobile Nutzung.

Vergleich mit Sennheiser HD820
Warum der HD 820? Weil er ebenfalls ein eher neutraler Hörer ist – und es mich interessiert, wie der YH-C3000 gegenüber dieser «Referenz» aufspielt.
Der Sennheiser HD 820 ist noch neutraler, vor allem in Bass und Höhen. Nun würde man erwarten, dass er in den Mitten genauso präsent ist? Oder gar präsenter als der Yamaha? Ist er aber nicht. Er ist schlicht neutral. Diesen Punkt habe ich oben beim Yamaha bereits versucht zu erklären: Er betont die Mitten zwar deutlich, ohne Bass oder Höhen zu vernachlässigen, sofern diese vorhanden sind. Das macht der Sennheiser anders. Wechselt man direkt zwischen beiden Hörern, wirkt der Yamaha im Vergleich sehr dynamisch, aber eben auch präsenter in den Mitten. Der HD 820 klingt dagegen eher etwas dumpfer - halt so wie es ein richtig neutraler Kopfhörer auch tun muss.
Ein kurzer Abriss zur Lautstärke: Im direkten Vergleich muss man zwangsläufig am Lautstärkeregler drehen. Mit seinen 300 Ohm ist der HD 820 deutlich leiser. Und hier fällt mir besonders stark auf, was ich bereits beschrieben habe: Wird der Yamaha zu laut angespielt, wird es unangenehm. Die Mitten knallen derart in den Gehörgang, dass es fast schmerzt – obwohl der Schalldruck (dB) eigentlich noch nicht in einem übertriebenen Bereich liegt. Da verzeiht der HD 820 deutlich mehr.
Wer einen möglichst neutralen Kopfhörer mit allen Vor- und Nachteilen sucht, wird mit dem HD 820 glücklicher. Durch die neutraleren Höhen und Tiefen bringt er in diesen Bereichen mehr Details. Auch in der Räumlichkeit liegt der HD 820 mit mehr als einem Hauch vorne.
Wer jedoch einen neutralen Kopfhörer sucht, der trotzdem Spass machen kann, ohne dabei ständig zu übertreiben, sollte den Yamaha unbedingt auf seine Liste setzen.

Fazit
Ich bin vom Yamaha YH-C3000 fasziniert. Die Mitten sind sehr präsent, ohne dass ein Schleier über der Musik liegt oder der Kopfhörer dumpf klingt. Er macht exakt das, was im Mastering vorgesehen ist. Hat sich dort jemand etwas überlegt, klingt er bombastisch. Ist im Mixing etwas schiefgelaufen, stellt er das genauso dar – und das macht dann entsprechend weniger Freude.
Die Räumlichkeit ist für einen geschlossenen Kopfhörer nicht ausserordentlich, aber solide. Durch die Betonung im Mitteltonbereich kann man dennoch tief in eine Live-Session eintauchen. Man sitzt dabei eher am Mischpult als in der ersten Reihe im Publikum.
Im Vergleich zum wirklich neutralen HD 820 macht er mehr Spass. Die Mitten sind deutlich präsenter, ohne dass Höhen und Bässe zu kurz kommen. Er wirkt dynamischer, ohne dabei jemals übertrieben zu erscheinen.
Laut zu hören ist mit dem Yamaha YH-C3000 für mich nicht möglich. Der Druck über alle Frequenzbereiche – insbesondere in den Mitten – wird unangenehm. Leise gehört vermisse ich jedoch nichts. Genau das ist eine seiner aussergewöhnlichen Qualitäten.
Der YH-C3000 lässt sich relativ einfach betreiben. Sowohl an einem potenten Verstärker als auch an einem guten USB-Dongle entfaltet er sein Potenzial. Weil er jedoch so ehrlich darstellt, entlarvt er auch schlechte Quellen gnadenlos. Man muss sich also weniger Gedanken darüber machen, wie man ihn betreibt. Sondern vielmehr, womit.
Verarbeitung, Materialeinsatz und Lieferumfang sind absolut in Ordnung. Nichts, was besonders heraussticht, aber auch nichts, was negativ auffällt. Eine Ausnahme ist das Kabel: Hier hätte Yamaha auf ein symmetrisches 4,4-mm-Kabel setzen sollen. Der Komfort ist dank des geringen Gewichts überdurchschnittlich gut. Bei Personen mit sehr grossen Ohren könnten die Polster jedoch etwas knapp werden.
Alles in allem: ein sehr schöner Wurf von Yamaha und wer ihn versteht, bekommt einen aussergewöhnlichen Kopfhörer.
Wie immer gilt - wer einen eigenen Eindruck gewinnen will, ist herzlich eingeladen die Kopfhörer bei uns im Ladengeschäft zu testen und zu vergleichen.
Kurz erklärt – Fachbegriffe im Überblick
Impedanz
Die Impedanz eines Kopfhörers wird in Ohm (Ω) angegeben und beschreibt seinen elektrischen Widerstand. Modelle mit höherer Impedanz benötigen in der Regel leistungsstärkere Verstärker, während Kopfhörer mit niedriger Impedanz meist problemlos an mobilen Geräten betrieben werden können.
Empfindlichkeit (Wirkungsgrad)
Die Empfindlichkeit wird in Dezibel (dB) angegeben und beschreibt, wie laut ein Kopfhörer bei einer bestimmten Leistung spielt. Ein hoher Wert bedeutet, dass bereits wenig Leistung ausreicht, um eine hohe Lautstärke zu erreichen.
Symmetrische und unsymmetrische Anschlüsse
Bei klassischen unsymmetrischen Anschlüssen (3.5 mm oder 6.3 mm) teilen sich beide Kanäle eine gemeinsame Masseleitung.
Symmetrische Verbindungen (4.4 mm oder 4-Pin XLR) – führen für jeden Kanal separate Leitungen. Dadurch können Störungen reduziert werden, und viele Verstärker liefern über symmetrische Ausgänge zusätzlich mehr Leistung.
Offene und geschlossene Kopfhörer
Offene Kopfhörer (Open Back) lassen Luft und Schall nach aussen entweichen. Das sorgt häufig für eine natürlichere und räumlichere Wiedergabe, allerdings hört auch die Umgebung mit.
Geschlossene Kopfhörer (Closed Back) schirmen stärker ab, wirken klanglich aber etwas kompakter.
Räumlichkeit und Separation
Die Räumlichkeit beschreibt den Eindruck der virtuellen Bühne – also wie breit oder tief die Musik wirkt.
Separation meint die Fähigkeit eines Kopfhörers, einzelne Instrumente oder Stimmen klar voneinander zu trennen.